„Wenn es den Circle nicht schon gäbe, hätte ich ihn erfunden.“ (Carsten Schneider)
Bundesumweltminister Carsten Schneider zu Besuch im Circle am 13. März 2026
Autorin: Anna Scheuermann
Freitag, der 13. März 2026 ist ein Glückstag für den Circle – den Ort für zirkuläres Bauen, der seit 2024 im Rockywood-Campus in Offenbach zuhause ist. Knapp ein Jahr nach der Unterzeichnung des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD auf Bundesebene, mit dem vielversprechenden Motto „Verantwortung für Deutschland“ besucht Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) das Vorzeigeprojekt im Hafengebiet zwischen Frankfurt und Offenbach. Hier haben sich mehr als 80 Unternehmen der Bau- und Kreislaufwirtschaft organisiert, die das zirkuläre Planen und Bauen bundesweit in die Tat umsetzen und gemeinsam auf einer breiten Basis beschleunigen wollen. Es ist bereits der zweite Besuch eines Bundespolitikers, nach Bundesverkehrsminister Schnieder, der die Circle-Community, diverse Akteur:innen und Gründer:innen der Kreislaufwirtschaft sowie die lokale Politikprominenz zusammenbringt.
Auf dem Weg zur Diskussionsbühne im 1. Obergeschoss des Cube, dem Veranstaltungs- und Ausstellungsraum des Circle, tauschen sich acht Partner in kurzweiligen Pitches mit Carsten Schneider aus. Anhand von konkreten Beispielen, die im Rahmen einer von zwei Industriedesignerinnen (Lina Djouiai und Karlotta Klußmann) konzipierten Ausstellung dauerhaft im Circle Cube-Gebäude präsentiert werden, stellen Optocycle (Lars Wolff), CDM Smith (Alexa Mahr und Hartmut Schmid), Funke (Ralph Mayer), Blasius Schuster (Anna Nedvetska und David Renneisen), Drees & Sommer (Ulrike Schweizer und Marcel Özer), die Circle Akademie (Oliver Kröker), Stricker Rose Rail (Hakan Yol) und Rose Gleisbau (Anna Gacmanga) ihre Arbeit vor.
Anschließend geht es mit der lebendigen Q&A-Session mit dem Bundesumweltminister los, an der über 100 geladene Gäste teilnehmen. Daniel Imhäuser, Initiator des Circle, und Christine Lemaitre, geschäftsführende Vorständin DGNB, machen den Auftakt mit Fragen zur Vereinfachung und Beschleunigung von Vergaben sowie dem dringenden Appell Recycling und Zirkularität zu bevorzugen, um das zirkuläre Bauen zu stärken. Angetan von dem Ort und dem großen Interesse an einem Freitagabend kann der Minister den Wünschen nur zustimmen. Aus seiner Sicht ebnen derzeit die Kraft der Green-Tech-Branche und die grünen Leitmärkte den Weg in die Zukunft: „Alles was wir recyceln können, hilft uns unabhängig zu werden, in Deutschland und in Europa.“ Für die nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie habe er daher die Forderung gestellt, die Vorzugspflicht für Recyclingprodukte zu inkludieren.
Als nächstes folgt ein Impulsvortrag von Stefan Möbius (Prokurist DMU Consult) und Max-Frederick Gerken (Gründer Optocycle) über das Upcycling auf dem 60 Hektar großen Gelände der ehemaligen Bayernkaserne in München, auf der in den nächsten Jahren das neue Stadtquartier Neufreimann entstehen wird. Dank der Kooperation der beiden Unternehmen können 1,3 Tonnen Mineralstoffe, aus dem Boden und aus den Abbruchgebäuden, etwa 65 %, für neue Häuser, grüne Dächer, Plätze und Grünflächen weiterverwendet werden. Aus Sicht der Vortragenden dürfe dies kein Pilotprojekt bleiben, sondern eine Wirkung in der Breite erzielen, und dafür bräuchte es die Unterstützung des Bundesumweltministeriums bei der Sichtbarkeit.
Der zweite Talk mit dem Minister, geführt von Lorenz Nagel, Geschäftsführer Primus Developments, und Dr. Stefanie Weidner, Vorständin Werner Sobek, beschäftigte sich mit dem Themenkomplex rund um die zirkuläre Planungs- und Baukultur in der Kreislaufwirtschaft. Aus Sicht der beiden gäbe es weltweit die besten Planenden in Deutschland, die bereits kreislaufgerecht denken und umsetzen, allerdings würden derzeit noch zu viele Steine im Weg liegen. Sie drängen auf Impulse aus Berlin, um den föderalen Flickenteppich an Bauordnungen zu vereinheitlichen und an einer „Ersatzbauteilverordnung“ zu arbeiten. Carsten Schneider zeigte sich sofort „convinced“ und bot an, das Vergaberecht zu entschlacken mit den weiteren dafür zuständigen Ministerien und ein Gespräch mit der Bundesbauministerin Verena Hubertz zu arrangieren. Als Reaktion erwähnte Lorenz Nagel das BBSR-Forschungsprojekt „Material Recovery Right“, das Baumaterialien durch handelbare Zertifikate einen Wert zuweise und den Inhaber berechtige, die Materialien am Ende des Lebenszyklus eines Gebäudes zurückzugewinnen und weiterzuverkaufen. Dankbar für den Input beendete Schneider diese Session mit den Worten „Wir gehen Hand in Hand …“, die von Nagel unter freudigem Applaus des Publikums ergänzt wurden mit „in den Sonnenuntergang.“
In der darauffolgenden Runde über die Ersatzbaustoffverordnung (EBV) mit Stephan Jäger (Jäger Rechtsanwälte) und Dr. Andreas Bruckschen (BDE) bat der Bundesumweltminister um die Formulierung der genauen Details, inwiefern die Erwartungen an die Verordnung bisher nicht erfüllt werden und was in der Überarbeitung bedacht werden müsse. Den Referentenentwurf könne er hier und heute nicht „leaken“, aber er würde ihn zeitnah weiterleiten. Auch hier wurde deutlich, dass der Wille und die Märkte bereit seien, doch die Verordnung und die daran geknüpfte Bürokratie derzeit mehr verhindern als ermöglichen würden.
Auf Grund der Rückreisepläne von Carsten Schneider konnte der Abschlusstalk über die Entwicklung neuer Recycling-Technologien mit Isabelle Armani, Head of Infrastructure and Manufacturers Madaster, und Sven Schröer, CEO Huesker Synthetic, nicht mehr stattfinden, doch die beiden wurden kurzerhand zu einem Gespräch in das Ministerbüro nach Berlin eingeladen. Was ein passender Abschluss, der Berlin und Offenbach auch in naher Zukunft miteinander verknüpfen wird.